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Christian Sabine

Nach mehr als 10 Jahren Abstinenz von der Profi - Reiterei ist es nun wieder soweit: Ich habe den Kampf gegen den Virus "Reiten" wohl ein für alle Mal verloren:-)

Als ich mich 1993 von der Reitszene zurückzog, um auszusteigen, nahm ich mir eigentlich vor, alleine auf einem Hochseekatamaran um die Welt zu segeln.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Statt allein bin ich verheiratet und statt auf dem Katamaran wieder auf dem Pferd.

1975 begann es mit 3 Ponys, die meine Eltern damals kauften, um einen kleinen Reitstall zu eröffnen - einer von unserer Familie musste das Reiten lernen, und das war halt ich. Doch bald war schon keine Rede mehr von einem kleinen Reitstall, wo die Leutchen sich ein Pferd holen und damit die Botanik unsicher machten - es sollte mehr werden, so richtig mit Unterricht, und dann vielleicht noch eine eigene, kleine, feine Pferdezucht?
Naja, es entwickelte sich halt eben. Zuerst begann ich meine Turnierlaufbahn in der Vielseitigkeit, aber als wir Anfang der 80er einen Appaloosa - Hengst kauften, kam damals auch gerade das Westernreiten nach Österreich. Und was lag näher, als auch das zu lernen? So stieg ich vom Englischreiten um (Damals noch ein kleines Faux-Pas in der Reiterwelt) und arbeitete mich langsam in der Westernszene hoch, bis ich 1986 mit meiner Appaloosa - Warmblut Stute "Peggy" so ziemlich jede Reining in Österreich gewann und auch zur EM in München geschickt wurde.

 

1987 dann stieg ich ein zweites Mal um, diesmal vom Western wieder aufs Englische. In der Zwischenzeit hatte ich auch schon einige Prüfungen als Profi abgelegt, so den Reitinstruktor, den Therapiereitinstruktor, den Wanderreitführer, der Titel Westerntrainer wurde mir von der AWA damals verliehen, den EWU - Westernrichter hatte ich auch geschafft, als erster Österreicher, und so konnte ich darangehen, diese beiden Reitarten miteinander zu verbinden - und ich bemerkte, dass nicht soviel Unterschied ist, als man glauben könnte. Ein gut gerittenes Pferd ist halt einfach ein gut gerittenes Pferd.

 

Es kam Szemafor, ein ungarischer Dreiviertelblüter mit Charakter! Eigentlich als Damendressurpferd gekauft, merkte ich bald, dass er eigentlich mehr ein Herrenspringpferd wäre, zumindest hatte er dieses unheimliche Leuchten in den Augen, wenn er bunt gestrichene Stangen sah. Und ich sollte recht behalten! Er zeigte bald seine temperamentvolle Klasse, wenn wir gemeinsam am Parcours erschienen (Jedes andere Pferd wurde eingeritten, aber der Herr Szemi musste ja erscheinen...). Bald stellten sich auch hier die Erfolge ein, bis ich dann 1993 nach einem Start beim GrandPrix in der Steiermark sagte, "das wars..." und meine (fast nie getragenen Sporen) an die Wand hing.

 

 

Ja, wenn ich nun konsequent gewesen wäre, dann wäre ja nun die Geschichte aus, aber siehe die ersten Zeilen...

2003 begann das Virus wieder zu wüten, als ein Pferdebesitzer mich ansprach, ob ich nicht sein Pferdchen ein bißchen quälen könnte, so mit Dressur und so. Da waren dann halt die ganzen Bemühungen umsonst, und ausserdem konnte ich von der besten Ehefrau der Welt, nämlich meiner, auch keine Hilfe erwarten, da sie auch infisziert war.

Also gut, nun bin ich wieder da - aber was mache ich denn nun so anders als die meisten Berrufsreiter? Vielleicht das: Ich konzentriere mich nicht darauf, dass das Pferd Western oder Englisch geritten wird, sondern ich konzentriere mich darauf, dass das Pferd gut geritten wird! Ich nehme zuerst einmal Rücksicht auf die Möglichkeiten des Pferdes, und nach diesen Möglichkeiten richte ich mich. Ich versuche nicht, das Pferd und seinen Charakter an den Reiter anzupassen, sondern diesen Charakter in der Ausbildung zu benützen, damit das Pferd für den Reiter arbeitet.

 

Und so kommt es, dass aus schwierigen oder "unreitbaren" Pferden plötzlich liebe, selbstständige Pferde werden, auf die sich die Reiter mit gutem Gefühl verlassen können. Und seien wir mal ehrlich, auch die Turnierreiter (Amateure) meine ich damit: Wieviel Tage im Jahr sind wir auf dem Turnier, und wieviele daheim am Reitplatz oder im Gelände?
So - und was ist nun wichtiger: Ein "Kracher", vor dem man sich vielleicht fürchtet, der uns aber (zumindest am Anfang) ein Häferl nach dem anderen bringt, oder ein Pferd, mit dem man vielleicht nicht so weit kommt, aber mit dem man die anderen 340 Tage im Jahr gerne zusammen ist, mit denen man die Ausbildung gemeinsam geniesst, egal welche Richtung, hauptsache die richtige?

Nun, und genau für diese Pferde und für diese Reiter will ich dasein, nicht für diejenigen, die sich alle Jahre wieder ein Pferdchen kaufen und es am Turnier verbrauchen, sondern für diejenigen, die sich ein Pferd kaufen und damit 20 Jahre Freude haben wollen. Und natürlich für die (nicht wenigen) Charakterpferde, die es gibt, und die man fördern kann...

 

Also wie läuft das mit dem Beritt ab bei mir?

(nach oben)


Zuallererst werde ich mir das Pferd, und noch viel wichtiger, den Besitzer und Reiter ansehen. Denn dieser muss ja dann mit dem Pferd gut auskommen! Und wenn ich das Gefühl habe, dass ein Beritt des Pferdes bei dem Besitzer auch was bringt, also wenn der Besitzer auch den richtigen Umgang zum Pferd pflegt, dann werde ich das Pferd auch bereiten.

Der Beritt selbst läuft dann so ab, dass ich wenn möglich das Pferd am Anfang nur so weit trainiere, bis der Reiter mit dem Pferd gefahrlos ausreiten kann.
Sie müssen sich das so vorstellen, dass ja ein junges Pferd eine natürliche Selbsthaltung hat, die durch die Sehnen und Bänder der Wirbelsäule ermöglicht wird. Die Rückenmuskulatur verwendet das Pferd ausschliesslich zur Fortbewegung.
Würde das Pferd nun von Anfang an Dressurmässig in die erworbene Haltung hineintrainiert, ohne ihm die Zeit zu lassen, diese Bänder und Sehnen über einen längeren Zeitraum an diese Haltung heranzudehnen, führt das dazu, dass das Pferd das Gewicht des Reiters über die Rückenmuskulatur zu tragen versucht, d.h., es versucht, die überanspruchten Sehnen und Bänder mit der Muskulatur zu entlasten. Das führt über längere Zeit zu Problemen, wie Steifigkeit, Widersätzlichkeit, gespannten Gängen, etc,.
Der lange, aber viel bessere Weg ist, dem Pferd nach der ca. 1-2 monatigen Grundausbildung die Zeit zu geben, um eben diese Bänder und Sehnen langsam zu dehnen und so die Rückenmuskulatur zu entlasten. Und zwar mit längeren, gemütlichen Ausritten, viel Schritt und Trab, das Pferd dabei die Gegend angucken zu lassen, so dass es auch Spass an der Sache hat und sich so unter dem Reiter entspannt.
Nach einem halben bis einem Jahr, bei dem man natürlich schon immer wieder Biegungsübungen und leichte Bahntrainingseinheiten einschieben soll, sollte das Pferd dann körperlich und geistig so weit sein, um eine gezielte dressurmässige Ausbildung zu starten, ohne das Pferd damit zu überfordern.
Diese Monate, die sie dem Pferd hier mehr Zeit lassen, sind dann die Jahre, die sie das Pferd im Alter länger leistungsmässig reiten können, sowohl körperlich als auch psychisch!

In dieser Phase wäre es natürlich angebracht, wenn das der spätere Reiter mit dem Pferd macht. Er soll ja das vertrauen des Pferdes mit aufbauen, denn für ihn soll das Pferd später arbeiten!
Je nach Können des Reiters werde ich ihn dann mit einzelnen Trainingseinheiten unterstützen, um etwaige Fehler abzufangen. Hier erwarte ich mir dann einen Reiter, der nicht zu stolz ist, um auch mal von selbst um Hilfe zu rufen, denn es ist eine sehr sensible Phase.
Natürlich könnte ich diese Ausreitphase auch selbst machen, nur kostet das halt auf Dauer viel Geld (Da rede ich wieder mal gegen die eigene Börse :-) )

Wenns dann an die eigentliche Ausbildungsphase geht, ist es für mich dann sehr wichtig, nicht nach 08/15 vorzugehen, sondern gezielt die Stärken des Pferdes zu fördern, denn meistens verschwinden dann die Schwachpunkte von selbst. Und wenn das Pferd von sich aus mitarbeiten will, habe ich als Reiter mehr gewonnen, als wenn das Pferd technisch vielleicht besser wäre, aber eigentlich nicht mehr arbeiten will,
Denn merke:
Gutes Reiten bedeutet, das Pferd dazu zu bringen, das zu tun, was man will. Reitkunst aber, das das Pferd das tun will, was man von ihm verlangt!!!

Und wenn sie nun noch immer am Beritt interessiert sind (Was ich ja hoffe :-) ), dann wäre es am besten, wenn sie mich mal anrufen. Dann komme ich mal zu ihnen, und sie sollten auch mal zu mir kommen, um zu sehen, wie ich mit den Pferden arbeite.

(nach oben)