1975 begann es mit 3 Ponys, die meine Eltern damals kauften,
um einen kleinen Reitstall zu eröffnen - einer von unserer Familie
musste das Reiten lernen, und das war halt ich. Doch bald war schon keine
Rede mehr von einem kleinen Reitstall, wo die Leutchen sich ein Pferd
holen und damit die Botanik unsicher machten - es sollte mehr werden,
so richtig mit Unterricht, und dann vielleicht noch eine eigene, kleine,
feine Pferdezucht?
Naja, es entwickelte sich halt eben. Zuerst begann ich meine Turnierlaufbahn
in der Vielseitigkeit, aber als wir Anfang der 80er einen Appaloosa -
Hengst kauften, kam damals auch gerade das Westernreiten nach Österreich.
Und was lag näher, als auch das zu lernen? So stieg ich vom Englischreiten
um (Damals noch ein kleines Faux-Pas in der Reiterwelt) und arbeitete
mich langsam in der Westernszene hoch, bis ich 1986 mit meiner Appaloosa
- Warmblut Stute "Peggy" so ziemlich jede Reining in Österreich
gewann und auch zur EM in München geschickt wurde. |
Ja, wenn ich nun konsequent gewesen wäre, dann wäre ja nun
die Geschichte aus, aber siehe die ersten Zeilen...
2003 begann das Virus wieder zu wüten, als ein Pferdebesitzer mich
ansprach, ob ich nicht sein Pferdchen ein bißchen quälen könnte,
so mit Dressur und so. Da waren dann halt die ganzen Bemühungen umsonst,
und ausserdem konnte ich von der besten Ehefrau der Welt, nämlich
meiner, auch keine Hilfe erwarten, da sie auch infisziert war.
Also gut, nun bin ich wieder da - aber was mache ich denn nun so anders
als die meisten Berrufsreiter? Vielleicht das: Ich konzentriere mich nicht
darauf, dass das Pferd Western oder Englisch geritten wird, sondern ich
konzentriere mich darauf, dass das Pferd gut geritten wird! Ich nehme
zuerst einmal Rücksicht auf die Möglichkeiten des Pferdes, und
nach diesen Möglichkeiten richte ich mich. Ich versuche nicht, das
Pferd und seinen Charakter an den Reiter anzupassen, sondern diesen Charakter
in der Ausbildung zu benützen, damit das Pferd für den Reiter
arbeitet.
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Und so kommt es, dass aus schwierigen oder "unreitbaren"
Pferden plötzlich liebe, selbstständige Pferde werden, auf die
sich die Reiter mit gutem Gefühl verlassen können. Und seien
wir mal ehrlich, auch die Turnierreiter (Amateure) meine ich damit: Wieviel
Tage im Jahr sind wir auf dem Turnier, und wieviele daheim am Reitplatz
oder im Gelände?
So - und was ist nun wichtiger: Ein "Kracher", vor dem man sich
vielleicht fürchtet, der uns aber (zumindest am Anfang) ein Häferl
nach dem anderen bringt, oder ein Pferd, mit dem man vielleicht nicht
so weit kommt, aber mit dem man die anderen 340 Tage im Jahr gerne zusammen
ist, mit denen man die Ausbildung gemeinsam geniesst, egal welche Richtung,
hauptsache die richtige?
Nun, und genau für diese Pferde und für diese Reiter will
ich dasein, nicht für diejenigen, die sich alle Jahre wieder ein
Pferdchen kaufen und es am Turnier verbrauchen, sondern für diejenigen,
die sich ein Pferd kaufen und damit 20 Jahre Freude haben wollen. Und
natürlich für die (nicht wenigen) Charakterpferde, die es gibt,
und die man fördern kann...
Also wie läuft das mit
dem Beritt ab bei mir?
(nach oben)
Zuallererst werde ich mir das Pferd, und noch viel wichtiger, den Besitzer
und Reiter ansehen. Denn dieser muss ja dann mit dem Pferd gut auskommen!
Und wenn ich das Gefühl habe, dass ein Beritt des Pferdes bei dem
Besitzer auch was bringt, also wenn der Besitzer auch den richtigen Umgang
zum Pferd pflegt, dann werde ich das Pferd auch bereiten.
Der Beritt selbst läuft dann so ab, dass ich wenn möglich
das Pferd am Anfang nur so weit trainiere, bis der Reiter mit dem Pferd
gefahrlos ausreiten kann.
Sie müssen sich das so vorstellen, dass ja ein junges Pferd eine
natürliche Selbsthaltung hat, die durch die Sehnen und Bänder
der Wirbelsäule ermöglicht wird. Die Rückenmuskulatur verwendet
das Pferd ausschliesslich zur Fortbewegung.
Würde das Pferd nun von Anfang an Dressurmässig in die erworbene
Haltung hineintrainiert, ohne ihm die Zeit zu lassen, diese Bänder
und Sehnen über einen längeren Zeitraum an diese Haltung heranzudehnen,
führt das dazu, dass das Pferd das Gewicht des Reiters über
die Rückenmuskulatur zu tragen versucht, d.h., es versucht, die überanspruchten
Sehnen und Bänder mit der Muskulatur zu entlasten. Das führt
über längere Zeit zu Problemen, wie Steifigkeit, Widersätzlichkeit,
gespannten Gängen, etc,.
Der lange, aber viel bessere Weg ist, dem Pferd nach der ca. 1-2 monatigen
Grundausbildung die Zeit zu geben, um eben diese Bänder und Sehnen
langsam zu dehnen und so die Rückenmuskulatur zu entlasten. Und zwar
mit längeren, gemütlichen Ausritten, viel Schritt und Trab,
das Pferd dabei die Gegend angucken zu lassen, so dass es auch Spass an
der Sache hat und sich so unter dem Reiter entspannt.
Nach einem halben bis einem Jahr, bei dem man natürlich schon immer
wieder Biegungsübungen und leichte Bahntrainingseinheiten einschieben
soll, sollte das Pferd dann körperlich und geistig so weit sein,
um eine gezielte dressurmässige Ausbildung zu starten, ohne das Pferd
damit zu überfordern.
Diese Monate, die sie dem Pferd hier mehr Zeit lassen, sind dann die Jahre,
die sie das Pferd im Alter länger leistungsmässig reiten können,
sowohl körperlich als auch psychisch!
In dieser Phase wäre es natürlich angebracht, wenn das der
spätere Reiter mit dem Pferd macht. Er soll ja das vertrauen des
Pferdes mit aufbauen, denn für ihn soll das Pferd später arbeiten!
Je nach Können des Reiters werde ich ihn dann mit einzelnen Trainingseinheiten
unterstützen, um etwaige Fehler abzufangen. Hier erwarte ich mir
dann einen Reiter, der nicht zu stolz ist, um auch mal von selbst um Hilfe
zu rufen, denn es ist eine sehr sensible Phase.
Natürlich könnte ich diese Ausreitphase auch selbst machen,
nur kostet das halt auf Dauer viel Geld (Da rede ich wieder mal gegen
die eigene Börse :-) )
Wenns dann an die eigentliche Ausbildungsphase geht, ist es für
mich dann sehr wichtig, nicht nach 08/15 vorzugehen, sondern gezielt die
Stärken des Pferdes zu fördern, denn meistens verschwinden dann
die Schwachpunkte von selbst. Und wenn das Pferd von sich aus mitarbeiten
will, habe ich als Reiter mehr gewonnen, als wenn das Pferd technisch
vielleicht besser wäre, aber eigentlich nicht mehr arbeiten will,
Denn merke:
Gutes Reiten bedeutet, das Pferd dazu zu bringen, das zu tun, was man
will. Reitkunst aber, das das Pferd das tun will, was man von ihm verlangt!!!
Und wenn sie nun noch immer am Beritt interessiert sind (Was ich ja
hoffe :-) ), dann wäre es am besten, wenn sie mich mal anrufen. Dann
komme ich mal zu ihnen, und sie sollten auch mal zu mir kommen, um zu
sehen, wie ich mit den Pferden arbeite.
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