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Beritt und Ausbildung von Pferden und Reitern -

Wenn sie 20 Jahre Freude mit 1 Pferd haben wollen!

   

Pferdeporträits bei Studio Kristobal

Wie läuft der Beritt ab?

Ein paar Stichworte

Links zu Pferdeseiten

Nach mehr als 10 Jahren Abstinenz von der Profi - Reiterei ist es nun wieder soweit: Ich habe den Kampf gegen den Virus "Reiten" wohl ein für alle Mal verloren:-)

Als ich mich 1993 von der Reitszene zurückzog, um auszusteigen, nahm ich mir eigentlich vor, alleine auf einem Hochseekatamaran um die Welt zu segeln.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Statt allein bin ich verheiratet und statt auf dem Katamaran wieder auf dem Pferd.

1975 begann es mit 3 Ponys, die meine Eltern damals kauften, um einen kleinen Reitstall zu eröffnen - einer von unserer Familie musste das Reiten lernen, und das war halt ich. Doch bald war schon keine Rede mehr von einem kleinen Reitstall, wo die Leutchen sich ein Pferd holen und damit die Botanik unsicher machten - es sollte mehr werden, so richtig mit Unterricht, und dann vielleicht noch eine eigene, kleine, feine Pferdezucht?
Naja, es entwickelte sich halt eben. Zuerst begann ich meine Turnierlaufbahn in der Vielseitigkeit, aber als wir Anfang der 80er einen Appaloosa - Hengst kauften, kam damals auch gerade das Westernreiten nach Österreich. Und was lag näher, als auch das zu lernen? So stieg ich vom Englischreiten um (Damals noch ein kleines Faux-Pas in der Reiterwelt) und arbeitete mich langsam in der Westernszene hoch, bis ich 1986 mit meiner Appaloosa - Warmblut Stute "Peggy" so ziemlich jede Reining in Österreich gewann und auch zur EM in München geschickt wurde.

1987 dann stieg ich ein zweites Mal um, diesmal vom Western wieder aufs Englische. In der Zwischenzeit hatte ich auch schon einige Prüfungen als Profi abgelegt, so den Reitinstruktor, den Therapiereitinstruktor, den Wanderreitführer, der Titel Westerntrainer wurde mir von der AWA damals verliehen, den EWU - Westernrichter hatte ich auch geschafft, als erster Österreicher, und so konnte ich darangehen, diese beiden Reitarten miteinander zu verbinden - und ich bemerkte, dass nicht soviel Unterschied ist, als man glauben könnte. Ein gut gerittenes Pferd ist halt einfach ein gut gerittenes Pferd.

Es kam Szemafor, ein ungarischer Dreiviertelblüter mit Charakter! Eigentlich als Damendressurpferd gekauft, merkte ich bald, dass er eigentlich mehr ein Herrenspringpferd wäre, zumindest hatte er dieses unheimliche Leuchten in den Augen, wenn er bunt gestrichene Stangen sah. Und ich sollte recht behalten! Er zeigte bald seine temperamentvolle Klasse, wenn wir gemeinsam am Parcours erschienen (Jedes andere Pferd wurde eingeritten, aber der Herr Szemi musste ja erscheinen...). Bald stellten sich auch hier die Erfolge ein, bis ich dann 1993 nach einem Start beim GrandPrix in der Steiermark sagte, "das wars..." und meine (fast nie getragenen Sporen) an die Wand hing.

Ja, wenn ich nun konsequent gewesen wäre, dann wäre ja nun die Geschichte aus, aber siehe die ersten Zeilen...

2003 begann das Virus wieder zu wüten, als ein Pferdebesitzer mich ansprach, ob ich nicht sein Pferdchen ein bißchen quälen könnte, so mit Dressur und so. Da waren dann halt die ganzen Bemühungen umsonst, und ausserdem konnte ich von der besten Ehefrau der Welt, nämlich meiner, auch keine Hilfe erwarten, da sie auch infisziert war.

Also gut, nun bin ich wieder da - aber was mache ich denn nun so anders als die meisten Berrufsreiter? Vielleicht das: Ich konzentriere mich nicht darauf, dass das Pferd Western oder Englisch geritten wird, sondern ich konzentriere mich darauf, dass das Pferd gut geritten wird! Ich nehme zuerst einmal Rücksicht auf die Möglichkeiten des Pferdes, und nach diesen Möglichkeiten richte ich mich. Ich versuche nicht, das Pferd und seinen Charakter an den Reiter anzupassen, sondern diesen Charakter in der Ausbildung zu benützen, damit das Pferd für den Reiter arbeitet.

 

Und so kommt es, dass aus schwierigen oder "unreitbaren" Pferden plötzlich liebe, selbstständige Pferde werden, auf die sich die Reiter mit gutem Gefühl verlassen können. Und seien wir mal ehrlich, auch die Turnierreiter (Amateure) meine ich damit: Wieviel Tage im Jahr sind wir auf dem Turnier, und wieviele daheim am Reitplatz oder im Gelände?
So - und was ist nun wichtiger: Ein "Kracher", vor dem man sich vielleicht fürchtet, der uns aber (zumindest am Anfang) ein Häferl nach dem anderen bringt, oder ein Pferd, mit dem man vielleicht nicht so weit kommt, aber mit dem man die anderen 340 Tage im Jahr gerne zusammen ist, mit denen man die Ausbildung gemeinsam geniesst, egal welche Richtung, hauptsache die richtige?

Nun, und genau für diese Pferde und für diese Reiter will ich dasein, nicht für diejenigen, die sich alle Jahre wieder ein Pferdchen kaufen und es am Turnier verbrauchen, sondern für diejenigen, die sich ein Pferd kaufen und damit 20 Jahre Freude haben wollen. Und natürlich für die (nicht wenigen) Charakterpferde, die es gibt, und die man fördern kann...

Also wie läuft das mit dem Beritt ab bei mir?

(nach oben)


Zuallererst werde ich mir das Pferd, und noch viel wichtiger, den Besitzer und Reiter ansehen. Denn dieser muss ja dann mit dem Pferd gut auskommen! Und wenn ich das Gefühl habe, dass ein Beritt des Pferdes bei dem Besitzer auch was bringt, also wenn der Besitzer auch den richtigen Umgang zum Pferd pflegt, dann werde ich das Pferd auch bereiten.

Der Beritt selbst läuft dann so ab, dass ich wenn möglich das Pferd am Anfang nur so weit trainiere, bis der Reiter mit dem Pferd gefahrlos ausreiten kann.
Sie müssen sich das so vorstellen, dass ja ein junges Pferd eine natürliche Selbsthaltung hat, die durch die Sehnen und Bänder der Wirbelsäule ermöglicht wird. Die Rückenmuskulatur verwendet das Pferd ausschliesslich zur Fortbewegung.
Würde das Pferd nun von Anfang an Dressurmässig in die erworbene Haltung hineintrainiert, ohne ihm die Zeit zu lassen, diese Bänder und Sehnen über einen längeren Zeitraum an diese Haltung heranzudehnen, führt das dazu, dass das Pferd das Gewicht des Reiters über die Rückenmuskulatur zu tragen versucht, d.h., es versucht, die überanspruchten Sehnen und Bänder mit der Muskulatur zu entlasten. Das führt über längere Zeit zu Problemen, wie Steifigkeit, Widersätzlichkeit, gespannten Gängen, etc,.
Der lange, aber viel bessere Weg ist, dem Pferd nach der ca. 1-2 monatigen Grundausbildung die Zeit zu geben, um eben diese Bänder und Sehnen langsam zu dehnen und so die Rückenmuskulatur zu entlasten. Und zwar mit längeren, gemütlichen Ausritten, viel Schritt und Trab, das Pferd dabei die Gegend angucken zu lassen, so dass es auch Spass an der Sache hat und sich so unter dem Reiter entspannt.
Nach einem halben bis einem Jahr, bei dem man natürlich schon immer wieder Biegungsübungen und leichte Bahntrainingseinheiten einschieben soll, sollte das Pferd dann körperlich und geistig so weit sein, um eine gezielte dressurmässige Ausbildung zu starten, ohne das Pferd damit zu überfordern.
Diese Monate, die sie dem Pferd hier mehr Zeit lassen, sind dann die Jahre, die sie das Pferd im Alter länger leistungsmässig reiten können, sowohl körperlich als auch psychisch!

In dieser Phase wäre es natürlich angebracht, wenn das der spätere Reiter mit dem Pferd macht. Er soll ja das vertrauen des Pferdes mit aufbauen, denn für ihn soll das Pferd später arbeiten!
Je nach Können des Reiters werde ich ihn dann mit einzelnen Trainingseinheiten unterstützen, um etwaige Fehler abzufangen. Hier erwarte ich mir dann einen Reiter, der nicht zu stolz ist, um auch mal von selbst um Hilfe zu rufen, denn es ist eine sehr sensible Phase.
Natürlich könnte ich diese Ausreitphase auch selbst machen, nur kostet das halt auf Dauer viel Geld (Da rede ich wieder mal gegen die eigene Börse :-) )

Wenns dann an die eigentliche Ausbildungsphase geht, ist es für mich dann sehr wichtig, nicht nach 08/15 vorzugehen, sondern gezielt die Stärken des Pferdes zu fördern, denn meistens verschwinden dann die Schwachpunkte von selbst. Und wenn das Pferd von sich aus mitarbeiten will, habe ich als Reiter mehr gewonnen, als wenn das Pferd technisch vielleicht besser wäre, aber eigentlich nicht mehr arbeiten will,
Denn merke:
Gutes Reiten bedeutet, das Pferd dazu zu bringen, das zu tun, was man will. Reitkunst aber, das das Pferd das tun will, was man von ihm verlangt!!!

Und wenn sie nun noch immer am Beritt interessiert sind (Was ich ja hoffe :-) ), dann wäre es am besten, wenn sie mich mal anrufen. Dann komme ich mal zu ihnen, und sie sollten auch mal zu mir kommen, um zu sehen, wie ich mit den Pferden arbeite.

(nach oben)

Ein paar Stichworte...

Lieber Besucher! Diese Seite wird eine never ending story, da immer wieder etwas dazukommen wird, irgendein Begriff, der vielleicht auch noch erklärt werden sollte...

Selbsthaltung des Pferdes Erworbene Haltung des Pferdes Gleichgewicht Ruhe im Sturm Biegungen Geraderichten Durchlässigkeit Kleben des Pferdes Schwung Ausbrechen des Pferdes Geländereiten Zeit Versammlung Losgelassenheit

Selbsthaltung des Pferdes

Viele Reiter kennen zwar den Begriff der Selbsthaltung des Pferdes, können aber damit doch nicht so richtig was anfangen.

Was ist nun diese Selbsthaltung des Pferdes? Stellen sie sich einmal eine Brücke vor. Nein, kein Viadukt, ich meine natürlich eine Hängebrücke! Und so ähnlich ist das auch mit der Selbsthaltung des Pferdes. Ich spinne jetzt nicht, es ist wirklich so! Stellen sie sich vor, die Pfeiler der Brücke wären die Füsse des Pferdes, und die Fahrbahn dazwischen der Körper. Dieser ist dann zwischen den Pfeilern aufgehängt. Es ist aber wirklich aufgehängt, und nicht durch knöcherne Verbindungen gestützt!

Wie das geht? Jeder Wirbel der Wirbelsäule hat dornartige Fortsätze, an denen Bänder befestigt sind, und diese Bänder stabilisieren die Wirbelsäule in der Art, dass sie sich ohne Kraftaufwand selbst tragen kann.

Quelle: Ronald J. Riegel, Susan E. Hakola: Bild-Text-Atlas zur Anatomie und Klinik des Pferdes, Schlütersche GmbH & Co KG, Hannover,1999

Sehr wichtig dabei ist das sogenannte Längsband, das über den ganzen Rücken von Dornforsatz zu Dornforsatz zieht und im Halswirbelbereich das Nackenband bildet, das an den Halswirbeln und am Hinterkopf festgemacht ist.

Zusätzlich gibt es dann noch Bänder, die die Wirbel untereinander so verbinden, dass sie sich gegenseitig stützen können, und so die Bewegung zwischen den Wirbeln einschränkt. Diese Verbindungen insgesamt ergeben dann die natürliche Selbsthaltung des Pferdes. Es braucht keine oder nur sehr wenig Energie aufwenden, um sich aufrecht zu halten. man merkt es z.B. dann, wenn das Pferd im Stehen einschläft.Es senkt dabei den Kopf, durch dieses Senken wird das Längsband gespannt, und der Rücken in der Mitte etwas gehoben. Einfach genial! So kann das Pferd seine Rückenmuskulatur zu dem einsetzen, zu dem sie eigentlich gemacht ist: zur Fortbewegung.

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Erworbene Haltung des Pferdes

Wenn sie sich den Absatz über die Selbsthaltung des Pferdes angesehen haben, und ein bisschen nachdenken, werden sie sicher bald herausfinden, was nun das grösste Problem beim Reiten für das Pferd ist:

Die Statik des Pferdekörpers ist so geplant, das er sich selbst (!) tragen kann. Machen wir wieder einen Sprung zu unserer Hängebrücke: Können sie sich einen Ingenieur vorstellen, der eine Hängebrücke so plant, dass die Statik genau für das Eigengewicht ausreicht? Ich glaube, der wäre sehr bald arbeitslos :-) Natürlich muss er die Statik so planen, dass auf der Hängebrücke auch Autos und Züge fahren können!

Die Natur hat daran aber nicht gedacht, als sie die Statik des Pferdes geplant hat. Sie ist zwar so bemessen, dass sich ein kleiner Liebesakt auf dem Rücken der Stute ausgeht, und sie auch das Fohlen noch austragen kann, aber nicht dafür, unter dem Gewicht eines Reiters sportliche Leistungen zu erzielen!

Nun könnten wir versuchen, den Baumeister des Pferdes einzuklagen, weil er die Statik schlecht bemessen hat. Aber ich glaube, da wären wir chancenlos. Aber wir können die Statik des Pferdes selbst verbessern, so dass sie dann auch das Gewicht des Reiters gut tragen kann!

Dafür müssen wir aber die Haltebänder des Pferdes so verändern, dass sich der Rücken etwas weiter aufwölben kann. Nur brauchen wir dafür vor allem eines: ZEIT! Durch genau abgestimmte Gymnastik kann man auf lange Sicht diese Bänder dehnen. Eine sehr gute Gymnastik ist hier z.B. das Bergaufreiten im Gelände. Wenn sie sich einmal ein Pferd auf der Weide angesehen haben, das bergauf geht, werden sie sicher feststellen, dass das Pferd, um besser anschieben zu können, die Hinterhand etwas beugt und so den Rücken rund macht. Und genau das wollen wir ja auch erreichen. Das Pferd macht den Rücken rund und kommt dadurch mit der Hinterhand unter den Körper, es trägt sich, anstatt nur zu schieben.

Um ein bisschen zu verdeutlichen, was es mit der Zeit auf sich hat: Machen sie mal einen Spagat. Sofort! Wenn sie´s nicht können, soll sie halt wer runterdrücken, mit Gewalt. Genausowenig, wie das für sie gut wäre ohne vorherige Dehnungsübungen, ist es gut, das Pferd ohne Dehnungsübungen über längere Zeiträume hinweg sofort in die Gebrauchshaltung zu bringen. Es tut dem Pferd genauso weh wie ihnen!

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Gleichgewicht

Ist ja eh klar - jedes Pferd hat ein Gleichgewicht, sonst würde es ja auf die Nase fallen :-D
Das Problem ist nur, dass es das Gleichgewicht nur für sich selbst besitzt, und manche von uns haben schon mal wen auf den Schultern getragen.Da wissen wir, dass es nicht so leicht ist, auch noch dann im Gleichgewicht zu gehen, wenn sich der da oben nur ein bisschen bewegt. Und so ähnlich geht es auch dem Pferd, wenn es frisch angeritten wird. Und wenn es dann vielleicht noch an der Longe gezupft wird, weil es geradeaus gehen will (Die leichteste Art für das Oferd, im Gleichgewicht zu bleiben, da der nach oben versetzte Schwerpunkt es nicht nach hinaus drückt), kann es schon mal passieren, dass die Füsse nicht in die Gleiche Richtung marschieren als der übrige Körper.

Stellen sie sich mal vor, sie seien das Pferd. Niemand kann ihnen erklären, warum der, der sie bis jetzt immer mit Leckerli und Ähnlichem verwöhnt hat, es sich plötzlich auf ihrem bequem macht. Na klar sind sie verunsichert! Und stellen sie sich vor, sie wollen einfach nur weg. Geradeaus, das sagt ihnen das Gefühl, geht´s am besten! Und stellen sie sich dann auch noch vor, in dem Moment, als sie anfangen zu laufen, wird ihnen der Kopf weggerissen, und sie liegen am Bauch - Das ist natürlich ein Riesenschock für sie, und genauso auch für das Pferd. Und das Pferd verbindet diesen Schock dann mit dem Moment, wo einer auf seinen Rücken klettert. Alles klar?

Darum reite ich Pferde prinzipiell nicht an der Longe zu. Ich will dem Pferd, speziell in der Anfangsphase, immer die Möglichkeit geben, sein Gleichgewicht zu behalten. Und bis jetzt war es eigentlich immer so, dass das Pferd am Anfang ein paar Meter geradeaus gelaufen ist, sich dann gefunden hat, und das wars auch schon mit dem Beritt. Ohne Bocken, ohne Aufregung, ohne spektakulären Sturz. Die Zuschauer waren halt nicht begeistert, denn wer will nicht mal einen Reitlehrer im Dreck liegen sehen???

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Ruhe im Sturm

Wegen dem einen eigenen Punkt?

Stellen sie sich vor, sie gehen zum Zahnarzt. Sie wissen schon, der Herr, der immer so gemein bohrt. Und dieses Geräusch vom Bohrer noch dazu, Ähhh!
So, sie machen jetzt die Türe auf zur Ordination. Alles ist wie immer, der Stuhl steht dort, wo er immer gestanden ist, der Arzt steht dort, wo er immer gestanden ist, die Gehilfen - die Gehilfen! Die Gehilfen packen sie plötzlich an den Armen, einer links, einer rechts, einer hält sie am Genick fest, die drei drücken sie in den Stuhl, sie pressen sie tief hinein, lassen ihnen keinen Platz, um auszuweichen, alle reden aufgeregt durcheinander, bis endlich der Zahnarzt kommt, und sie mit hektischen Blick mustert, die Schweissperlen stehen ihm auf der Stirn, er murmelt was von "verdammt, das ist eine Scheisse..."
- Und ich denke mir, in dem Moment reissen sie den Stuhl aus der Wand und laufen mit ihm weg, oder?!?

Was hat das mit dem Beritt zu tun? Ich habe schon bei einigen Pferden zugesehen, die so ähnlich zugeritten wurden! Nicht, dass es in den Zahnarztstuhl gepresst worden wäre, aber einer hält es links am Zügel, einer rechts, einer hebt den Reiter in den Sattel, einer hält die Longe, und alle sind verdammt aufgeregt! Die brauchen ja gar nichts reden, das Pferd spürt die Aufregung trotzdem, es riecht sie geradezu!
Denn, was die wenigsten wissen, der endokrine Stoff Noradrenalin, der bei Stress ausgeschüttet wird, ist bei allen Säugetieren ziemlich gleich. Das ist auch der Grund, warum ein Hund einen unverletzten Hirsch hetzen kann, auch wenn zehn andere seine Spur kreuzen. der verfolgte Hirsch scheidet nämlich mit dem Schweiss grosse Mengen Noradrenalin und Adrenalin aus. das ist ganz normal, der Stoff befähigt das Lebewesen, unter Stress grössere leistungen zu erzielen und hemmt die Schmerzempfindung. Bei einem Kampf auf Leben und Tod richtig und sinnvoll, aber wenn der Bereiter und seine Helfer Adrenalin mit dem Schweiss ausschütten, weil sie nervös sind, kann man das dem Pferd nicht erklären, dass das wegen ihm und dem Beritt ist. Das Pferd wird denken, es ist Gefahr in der Luft!

Und es wird dementsprechend reagieren, und versuchen davonzulaufen. Sehr heikel an der Longe wegen dem Gleichgewicht!

Darum der eigene Punkt nur wegen der Ruhe! Bedenken sie immer ihre Momentanverfassung, bevor sie sich über das nervöse, hektische Pferd ärgern! Vielleicht sind sie es? Und beachten sie, dass die ersten Momente des Beritts für das Pferd eine Art Prägung darstellen. Sie können hier sehr viel gewinnen, aber ebenso sehr viel verlieren! Einer allein, der das Pferd nimmt, und wirklich und nicht gespielt ruhig mit ihm in den Reitplatz, oder besser noch in die Koppel zu den Weidegenossen geht, dort gemütlich aufsteigt und es erst mal geradeaus laufen lässt, um das Gleichgewicht zu finden, ist besser, als fünf aufgeregte Helfer! Bevor sie ihr Pferd von jemanden trainieren lassen, den sie nicht kenne, sehen sie sich mal an, was derjenige mit anderen Pferden macht. Und bedenken sie: An der lockeren, und nicht der angespannten Ruhe, merken sie, ob einer sicher ist, und diese Sicherheit dem Pferd auch weitergeben kann!

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Biegungen

Nun gut, wir haben das Pferd erfolgreich angeritten, alles lebt und ist fröhlicher Dinge. jetzt können wir uns entweder zurücklehnen und die Zeit geniessen, oder aber - wir geniessen die Zeit auf dem Pferd, während wir es weiter ausbilden. Ein Zauberwort in der Ausbildung heisst Biegung, doch was bedeutet es, welche Vorteile hat es, und auf was sollte man besonders achten?

Zuerst einmal die guten Nachrichten: Jedes Pferd kennt die Biegungen aus seinen reiterlosen Jahren auf der Koppel, es ist also nicht ganz neu fürs Pferd! Die zweite gute Nachricht: Es tut dem Pferd unheimlich gut, wenn man es richtig macht! Und die schlechte? - Siehe die zweite gute Nachricht und denke nach!!!

Fangen wir mal ganz von vorne an: Was wir dem Pferd bis jetzt mal beigebracht haben (Eigentlich ist das ein bisschen vermessen zu sagen, denn wir bringen dem Pferd nichts bei, was es nicht eh schon kann...), ist, dass es im Gleichgewicht geradeaus gehen kann. Das kann es doch schon, oder? Denn wenn nicht, sollten sie vielleicht noch ein bisschen Zeit verstreichen lassen, bevor sie mit wirklichen Biegungen beginnen. Gehen sie weiter gemütlich ins Gelände, und lassen sie ihr Pferd schwungvoll geradeaus gehen, lassen sie es klettern, damit es lernt, die Hinterfüsse ein bisschen mehr unter den Körper zu bekommen. Und lassen sie ihm verdammt noch mal Zeit!

So, sie haben sich Zeit gelassen, und ihr Pferd geht im Gleichgewicht geradeaus? Dann nichts wie an die Arbeit! Wir beginnen nämlich jetzt, das Pferd so umzubauen, dass wir es auf lange Sicht mit guter Leistung reiten können, ohne es zu schnell zu verbrauchen!

Ein hauptsächlicher Sinn der Biegung ist es, das Pferd geschmeidig zu machen, also im Sinne einer Gymnastik seine Muskeln, Bänder und Sehnen zu dehnen und ihre Durchblutung zu steigern. Das ist allerdings nur ein Grund, ein anderer ist es, dem Pferd die Geraderichtung auf gebogenen Linien beizubringen, also es auf den Biegungen weiterhin im Gleichgewicht zu behalten. Und ein dritter Grund ist, das Pferd über den Umweg der Biegungsübungen in die Durchlässigkeit zu bekommen, also das Pferd dazu zu bringen, die vorwärts treibenden Hilfen nach vorne durch zu lassen.

Ich werde, und das ist nicht unbedingt laut Lehrbuch, hier die beiden Begriffe "Biegung" und "Stellung" gemeinsam behandeln, da meiner Meinung diese beiden Komponenten nahtlos ineinander übergehen (können). der Unterschied zwischen den beiden ist wie folgt: bei der Stellung wird das Pferd nur im Genick gebogen, der übrige Körper bleibt gerade. Bei der Biegung ist das Pferd im ganzen Körper gebogen, also vom Genickansatz bis zum Schweif. Wenn man sich ein gebogenes Pferd ansieht, wird man deswegen auch sehen, dass die Schweifrübe des Pferdes in die Richtung der Biegung zeigt, also ist das für einen Beobachter eine recht gute Kontrolle, ob das Pferd gebogen ist.

Na, und weil das Pferd in der Biegung im ganzen Körper gebogen ist, folgert daraus ja schon, das eine richtige Biegung des Pferdes ohne vorherige Stellung etwas schwierig zu reiten ist, oder?!?

Na. dann fangen wir mal an, das Pferd abzustellen (Neeein, nicht in der Garage, sondern aus dem Genick abstellen...). Zuerst müssen wir darauf achten, das wir das Pferd auf der Linie, die wir reiten auch begrenzen können. Gehen sie mit ihrem Pferd z.B. eine gerade Linie auf dem Reitplatz, nicht am Rand, wo sich das Pferd an der Begrenzung ausrichten (und gemeiner Weise sich auch daran "festkleben") kann, sondern eher in der Mitte, so dass das Pferd keinen Anhaltspunkt hat. Wenn sie diese Übung im Schritt machen, hier kann das Pferd keinen Schwung entwickeln, können sie feststellen, dass es nicht so leicht ist, das Pferd zu begrenzen. (Siehe Geraderichten).

Nun wollen wir mal das Pferd nach einer Seite, sagen wir die linke, stellen. Um zu erreichen, dass sich das Pferd stellt, setzen wir uns gleichmäßig auf beide Gesäßknochen, nehmen den inneren Zügel etwas an und geben mit dem äußeren um soviel nach, wie der innere angenommen wird (stehen lassen des äußeren Zügels). Dabei ist natürlich wichtig, dass die beiden Zügel wirklich aufeinander abgestimmt werden. Als Faustregel kann man hier auch sagen, dass das äussere Ohr des Pferdes nicht tiefer liegen soll als das innere. Wenn das der Fall wäre, würde sich das Pferd nämlich im Genick verwerfen, und damit könnten wir den von den Hinterfüssen entstehenden Schwung nicht am äusseren Zügel kontrollieren, und es könnte über die Schulter gehen, also ausbrechen. Wenn wir es richtig machen, dann können wir das Pferd schnurgerade auf der Linie weiterreiten, und es abwechselnd links und rechts stellen, ohne das es die Spur verlässt...

Alles klaro mit der Stellung? Na gut, dann werden wir das Pferdchen mal ein bisschen verbiegen! Und hier kommt uns jetzt die perfekt trainierte Stellung zu Gute, denn von der Stellung zur Biegung ist es nur ein kleiner Schritt für ein Pferd, aber ein grosser für den Reiter :-)

Reiten sie das Pferd in einer gebogenen Linie, auf einem Zirkel zum Beispiel, stellen sie das Pferd, und dann nehmen sie noch den inneren Schenkel dazu. Wenn das Pferd die Stellung wirklich ohne Murren angenommen hat, wird es nun, ohne auszubrechen, wie selbstverständlich in eine "geradegerichtete Biegung" kommen, also seinen ganzen Körper in der gleichen Weise biegen, wie die Linie, auf der es geritten wird. Schliessen sie nun die Augen, und reiten sie das Pferd mit geschlossenen Augen weiter. Macht es "Bumm", und sie knallen mit dem Pferd gegen die Wand, dann war das Pferd auch nicht geradegerichtet gebogen und ist über die Schulter in eine Richtung weggedriftet. Das heisst dann, zurück an den Start, und die Übung noch ein bisschen feiner und mit ein bisschen mehr Gefühl wiederholen. Der innere Schenkel gibt die Biegung, der innere Zügel die Stellung, der äussere Schenkel verwahrt die Hinterhand, und der äussere Zügel die Schulter. Und das Pferd geht zwanglos wie auf Schienen auf einer immer gleichmässig gebogenen Linie. Und nicht schummeln und auf die Linie blinzeln, es soll wirklich automatisch aus der Biegung kommen!

Wichtige Übungen der Stellung sind: Schulter vor, bei der der offene innere Zügel die innere Schulter des Pferdes nach hinein mitnimmt. Aus dem Schulter vor kann man die biegende Übung Schulter herein entwickeln, bei der das Pferd (Je nach Auslegung verschiedener Reitweisen) auf 3 - 4 Hufschlägen abgestellt ist, und dabei um den inneren Schenkel gebogen wird. (In der alten klassischen Reitweise wurden diese beiden Übungen übrigens als 1. und 2. Stellung beschrieben.) Ich finde diese Übungen sehr, sehr wichtig für die weitere Ausbildung des Pferdes, und sie wird leider immer mehr vernachlässigt. Doch nur in solchen Übungen kann man die Verwahrung des Pferdes und die aus der Verwahrung entwickelte Versammlung ohne Zwang trainieren!

Wichtige Übungen der Biegung sind Schlangentouren, Touren wechseln, Schlangenlinien, etc. dabei muss man immer auf den Biegungswechsel aufpassen, dass das Pferd dazwischen sorgfältig geradegerichtet wird, die Zügel dementsprechend nachgegriffen werden, und die Gewichtshilfe des Reiters schlussendlich die Wendung einleiten sollte, und nicht der Zügel oder der Schenkel. Das Pferd soll ja im Gleichgewicht mit dem Schwerpunkt des Reiters gehen, und nicht dem Zügel folgen oder dem Schenkel ausweichen!

Und noch etwas ist gaaanz wichtig: Gute Biegung geht nur ohne Zwang, das Pferd muss schon losgelassen sein, sonst wirds nichts!

 

 

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Geraderichten

Haben sie schon mal ein junges Pferd geritten? Ja? Ein ganz ein junges (Hat nichts mit dem Alter, sondern mit der Ausbildung zu tun)? Da werden sie dann eine Erfahrung gemacht haben: Egal, was sie versuchen, die untenstehenden werden denken, sie haben sich vorher Mut angetrunken, weil sie prinzipiell in Schlangenlinien unterwegs sind.
Na gut, man kann dann entweder sagen, "Ich übe gerade Biegungswechsel", das geht aber nur solange, solange nicht irgendwer verlangt, man solle einmal gerade aus reiten!
Die zweite Möglichkeit würde ich ihnen schon eher empfehlen: Arbeiten sie mit ihrem Pferd an der Geraderichtung!

Was brauchen wir dazu? Eine gute Portion Gleichgewicht, eine Prise Schwung, und einen Esslöffel voll gerader Wege im Gelände! Zur Not, wenn man sich unsicher ist, gehts auch auf dem Reitplatz, so machen es die meisten, aber man hat halt immer wieder nach kurzen Strecken so eine blöde Kurve drin. Und meist hat man dann endlich vor der Kurve das Pferd im Gleichgewicht geradeaus, und dann muss man wieder von vorne anfangen.

So, und wenn wir diese Zutaten alle beisammen haben, gehen wir mal viel raus. Schwungvoll, viel im Trab, einiges im Schritt und sehr wenig im Galopp, und das wenn möglich bergauf. So lange, bis wir das Pferd am losen Zügel geradeaus gehen lassen können, ohne es dauernd zu korrigieren. Sie werden sehen, es geht am besten im Trab, hier können sie ja den natürlichen Schwung des Pferdes ausnützen. Im Galopp besteht doch immer wieder die Gefahr, das zwar der Schwung durech die Schwebephase vorhanden ist, dass der aber, gerade bei einem jungen Pferd, auch mal zu viel werden kann. Dann fängt das edle Ross zu laufen an und kommt auf die Vorhand. Darum bergauf galoppieren, wenn schon.
Na, und im Schritt, da haben wir keinen Schwung, da keine Schwebephase, und darum ist das dann die Meisterprüfung für Pferd und Reiter im Geradeausreiten!

Mehr ist dazu nicht zu sagen, ausser wieder das gleiche: Lassen sie sich Zeit!

Und wenn das Pferd dann soweit ist, kann man versuchen, über die Biegung in eine geradegerichtete Biegung zu kommen...

 

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Durchlässigkeit

Durchlässigkeit steht in der Ausbildungsskala nach dem Gleichgewicht, Geraderichten, Schwung, Losgelassenheit und vor der Versammlung, grob ausgedrückt. Was ist nun Durchlässigkeit, und warum steht es gerade an dieser Stelle der Ausbildungsskala und nicht woanders?
Durchlässigkeit bedeutet in der allgemeinen Reitlehre, dass das Pferd die Hilfen des Reiters "durchlässt", nämlich die nach vorne gerichteten Hilfen nach vorne, es bringt den Schwung durch das Genick an den Zügel, und die nach hinten gerichteten nach hinten, wie zum Beispiel die verwahrenden oder haltenden Zügelhilfen zurück auf die Nachhand, die sich dann vermehrt untersetzt. Oder auch die seitwärts gerichteten zur anderen Seite. Ich treibe dann zum Beispiel mit dem linken Schenkel seitwärts und kann diesen Schwung in der rechten Zügelhand kontrollieren.

 

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Kleben des Pferdes

 

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Ausbrechen des Pferdes

 

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Schwung

 

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Geländereiten

 

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Zeit

Ich glaube, das ist so ein Kapitel, das man nicht oft genug ansprechen kann. Und oft auch das traurigste bei der Pferdeausbildung! Ich hatte vielleicht das Glück, dass ich immer Trainer hatte, die sehr viel Wert darauf gelegt haben. Und die mich in meinem reiterlichen Übermut auch immer wieder gebremst haben, gesagt haben: Back to the Roots!

Stellen sie sich vor, sie bekommen eine neue Arbeit. Der Chef kommt, macht sie mit den Mitarbeitern kurz bekannt, erklärt ihnen nichts, aber verlangt von ihnen sofort tolle Leistungen. Na, soviel kann der ja gar nicht bezahlen, oder?
Wissen sie, wie Stress definiert wird? Wenn man viel Leistung bringen muss, ohne es beeinflussen und kontrollieren zu können. Muss man dagegen viel Leistung bringen, aber man hat auch eine gute Kontrolle darüber, ist es eine faszinierende Aufgabe!

Und genauso geht es dem Pferd! Abgesehen davon, dass sich der Körper des Pferdes erst an die geänderten Ansprüche anpassen muss, sich die Bänder und Sehnen anders dehnen müssen, um z.B. die erworbene Haltung schmerzfrei durchführen zu können, müssen wir vor allem auch der Seele des Pferdes Zeit lassen, sich mit der ungewohnten Situation zurecht zu finden! Eine Faustregel von mir heisst, jedes Monat in den ersten Jahren der Ausbildung, die ich dem Pferd mehr Zeit lasse, sind die Jahre, die ich das Pferd länger in guter Leistung reiten kann!

Ich will ein Pferd, das nicht nur den Reiter trägt, sondern auch für den Reiter denkt. Ich will im schwierigsten Gelände nicht einen Moment damit vergeuden, Angst zu haben. Ich will dann einfach die Zügel länger lassen, und dem Pferd sagen: Mach es, du kannst es!

Dazu braucht das Pferd aber das Gefühl, mit jeder Aufgabe mitgewachsen zu sein. Es braucht das Selbstvertrauen, und auch das Vertrauen zum Reiter. Einmal das Pferd überfordern, und es bilden sich Zweifel am Reiter!
Und jetzt nehmen wir uns mal ganz fest an der eigenen Nase: Wir bilden das Pferd aus, wir lassen uns vielleicht auch Zeit damit, aber dann kommt dieser Tag, wo ein paar Reiterfreunde kommen, und sich das Pferd ansehen wollen. Was machen wir dann alles nicht in unserem Besitzerstolz? Welche Bahnfiguren verlangen wir von unserem Partner, welche Höhen wollen wir auf einmal springen? WIEVIEL setzen wir wegen der paar Minuten auf das Spiel?
Wie oft machen wir auch sonst den Fehler, das Pferd ohne wirkliche Vorbereitung in irgendein Ausbildungs-Abenteuer zu schicken? Da haben wir bei einem Kurs zugesehen, oder waren sogar mit dem Pferd dort, und wir haben so schöne Sachen gelernt. Der Kursleiter hat uns diese Übungen so toll erklärt, und das Pferd hat sie so super gemacht. Und zu Hause? Nach ein paar Tagen ist das alles weg, und jetzt werden wir aber schon gar grantig auf diesen Bock, der das partout nicht mehr machen will! Vielleicht sollten wir dann eine Denkpause einlegen, sollten wir uns überlegen, in welchem Zusammenhang, mit welchen gezielten Vorbereitungen auf dem Kurs diese Übungen vom Pferd verlangt worden sind? Und dann das mit dem vergleichen, was wir zu Hause gemacht haben? Und dann werden wir oft genug draufkommen, dass der Bock nicht geritten wird, sondern reitet?!?

Erst dann werden Übungen fortschreitend mit der Ausbildung besser, wenn sie das Pferd als völlig normal ansieht und sie gerne macht. Ich muss dabei gestehen, dass ich im Normalfall weder Sporen noch Gerte verwende, ich besitze nicht mal eine Gerte...
Man muss als Reiter schon fühlen können, was das Pferd unter einem gerne macht und was nicht. Ich warte meist auf die Anfrage des Pferdes, ob es nun endlich diese Sache machen darf, und dann erlaube ich es ihm einfach. Und meist funktioniert es, und das Pferd, das am Anfang seiner Ausbildung weit hinter den anderen gelegen ist, holt plötzlich auf, und dann hat es die Nase vorne.
Denn es hat eines, das die anderen nie gelernt haben: ES WILL!!!

Und noch etwas: Jedes Pferd ist anders. Ein Beispiel von den Pferden, die ich trainiere: da gab es ein gar liebliches Pferdchen, das nur einen klitzekleinen Fehler hatte: Es war - unreitbar... (Es war mein Glück, sonst wäre ich nie an das Pferd gekommen:-) ). Ich habe mich dann mal einfach raufgesetzt, ohne Longe oder sonstigen Firlefanz, und habe mir angesehen, was das Pferdchen denn so mit dem Reiter machen will. Am dritten Tag habe ich die Stute ohne Zaumzeug geritten, ich habe ihr einfach gesagt: Mach, was du willst, ich vertraue dir! Nach ein paar Wochen bin ich dann mit dem Pferd in die Botanik ausgewichen, einfach nur raus, die Natur geniessen, mal ein bisschen grasen lassen, sich die Gegend anschauen, und so weiter. Das unreitbare Pferd ist nun mein Liebling, mein absoluter. Aber: Ich weiss, wenn ich dieses Pferd zu schnell ausbilden würde, würde es auch mich nicht mehr rauflassen. Auf der anderen Seite weiss ich, wie das Pferd in ca. 5-7 Jahren gehen wird: Jeder wird mich darum beneiden! Aber unter dieser Zeit wird nichts gehen! (Mein Glück: Ein Besitzer mit Hirn!!!)
Dann ist da diese 3-jährige Stute: Sie nimmt alles so ziemlich selbstverständlich an, und sie ist nun, nach einem halben Jahr, weiter als die ältere Stute, die jetzt ein Jahr geritten wurde. Und sie wird sehr, sehr gut! Trotzdem wird für mich die andere immer der Favorit bleiben, denn die ist nicht gut, die ist einfach aussergewöhnlich und nicht mit normalen Massstäben zu messen!

Die kleine "unreitbare" Bay ohne Zaumzeug beim Ausreiten...

Zwei Pferde aus der gleichen Zucht, zwei unterschiedliche Charaktere, zwei unterschiedliche Ausbildungszeiten. Aber seien wir mal ehrlich: Wären Pferde Maschinen, würden wir wahrscheinlich nicht so viel Freude an ihnen haben. Also behandeln wir sie auch nicht wie (Sport-) Maschinen, sondern wie individuelle Lebewesen!

Bedenken Sie: Das Feuer eines Diamanten bringt nur der zum Leuchten, der sich die Zeit nimmt, ihn mit den feinsten Instrumenten vorsichtig zu bearbeiten, und der dabei immer innehält um seine Arbeit zu überprüfen. Der, der es schnell machen will, erzeugt nur ein verkratztes Stück komprimierter Kohle...

Und hier möchte ich dann noch einen kleinen Denkanstoss an die Pferdebesitzer richten: Ihr Auto ist nur ein Stück lebloses Blech. Doch sie werden es trotzdem von einem gelernten Mechaniker warten und reparieren lassen, auch wenn es ein bisschen mehr Geld kostet. Und ihr Pferd?

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Versammlung

 

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Losgelassenheit

 

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