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Beritt und Ausbildung von Pferden und Reitern -Wenn sie 20 Jahre Freude mit 1 Pferd haben wollen! |
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Nach mehr als 10 Jahren Abstinenz von der Profi - Reiterei ist es nun wieder soweit: Ich habe den Kampf gegen den Virus "Reiten" wohl ein für alle Mal verloren:-) Als ich mich 1993 von der Reitszene zurückzog, um auszusteigen,
nahm ich mir eigentlich vor, alleine auf einem Hochseekatamaran um die
Welt zu segeln. |
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1975 begann es mit 3 Ponys, die meine Eltern damals kauften,
um einen kleinen Reitstall zu eröffnen - einer von unserer Familie
musste das Reiten lernen, und das war halt ich. Doch bald war schon keine
Rede mehr von einem kleinen Reitstall, wo die Leutchen sich ein Pferd
holen und damit die Botanik unsicher machten - es sollte mehr werden,
so richtig mit Unterricht, und dann vielleicht noch eine eigene, kleine,
feine Pferdezucht? |
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1987 dann stieg ich ein zweites Mal um, diesmal vom Western wieder aufs Englische. In der Zwischenzeit hatte ich auch schon einige Prüfungen als Profi abgelegt, so den Reitinstruktor, den Therapiereitinstruktor, den Wanderreitführer, der Titel Westerntrainer wurde mir von der AWA damals verliehen, den EWU - Westernrichter hatte ich auch geschafft, als erster Österreicher, und so konnte ich darangehen, diese beiden Reitarten miteinander zu verbinden - und ich bemerkte, dass nicht soviel Unterschied ist, als man glauben könnte. Ein gut gerittenes Pferd ist halt einfach ein gut gerittenes Pferd. |
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Es kam Szemafor, ein ungarischer Dreiviertelblüter mit Charakter! Eigentlich als Damendressurpferd gekauft, merkte ich bald, dass er eigentlich mehr ein Herrenspringpferd wäre, zumindest hatte er dieses unheimliche Leuchten in den Augen, wenn er bunt gestrichene Stangen sah. Und ich sollte recht behalten! Er zeigte bald seine temperamentvolle Klasse, wenn wir gemeinsam am Parcours erschienen (Jedes andere Pferd wurde eingeritten, aber der Herr Szemi musste ja erscheinen...). Bald stellten sich auch hier die Erfolge ein, bis ich dann 1993 nach einem Start beim GrandPrix in der Steiermark sagte, "das wars..." und meine (fast nie getragenen Sporen) an die Wand hing. |
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Ja, wenn ich nun konsequent gewesen wäre, dann wäre ja nun die Geschichte aus, aber siehe die ersten Zeilen... 2003 begann das Virus wieder zu wüten, als ein Pferdebesitzer mich ansprach, ob ich nicht sein Pferdchen ein bißchen quälen könnte, so mit Dressur und so. Da waren dann halt die ganzen Bemühungen umsonst, und ausserdem konnte ich von der besten Ehefrau der Welt, nämlich meiner, auch keine Hilfe erwarten, da sie auch infisziert war. Also gut, nun bin ich wieder da - aber was mache ich denn nun so anders als die meisten Berrufsreiter? Vielleicht das: Ich konzentriere mich nicht darauf, dass das Pferd Western oder Englisch geritten wird, sondern ich konzentriere mich darauf, dass das Pferd gut geritten wird! Ich nehme zuerst einmal Rücksicht auf die Möglichkeiten des Pferdes, und nach diesen Möglichkeiten richte ich mich. Ich versuche nicht, das Pferd und seinen Charakter an den Reiter anzupassen, sondern diesen Charakter in der Ausbildung zu benützen, damit das Pferd für den Reiter arbeitet.
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Und so kommt es, dass aus schwierigen oder "unreitbaren"
Pferden plötzlich liebe, selbstständige Pferde werden, auf die
sich die Reiter mit gutem Gefühl verlassen können. Und seien
wir mal ehrlich, auch die Turnierreiter (Amateure) meine ich damit: Wieviel
Tage im Jahr sind wir auf dem Turnier, und wieviele daheim am Reitplatz
oder im Gelände? Nun, und genau für diese Pferde und für diese Reiter will ich dasein, nicht für diejenigen, die sich alle Jahre wieder ein Pferdchen kaufen und es am Turnier verbrauchen, sondern für diejenigen, die sich ein Pferd kaufen und damit 20 Jahre Freude haben wollen. Und natürlich für die (nicht wenigen) Charakterpferde, die es gibt, und die man fördern kann... Also wie läuft das mit dem Beritt ab bei mir?
Der Beritt selbst läuft dann so ab, dass ich wenn möglich das
Pferd am Anfang nur so weit trainiere, bis der Reiter mit dem Pferd gefahrlos
ausreiten kann. In dieser Phase wäre es natürlich angebracht, wenn das der
spätere Reiter mit dem Pferd macht. Er soll ja das vertrauen des
Pferdes mit aufbauen, denn für ihn soll das Pferd später arbeiten! Wenns dann an die eigentliche Ausbildungsphase geht, ist es für
mich dann sehr wichtig, nicht nach 08/15 vorzugehen, sondern gezielt die
Stärken des Pferdes zu fördern, denn meistens verschwinden dann
die Schwachpunkte von selbst. Und wenn das Pferd von sich aus mitarbeiten
will, habe ich als Reiter mehr gewonnen, als wenn das Pferd technisch
vielleicht besser wäre, aber eigentlich nicht mehr arbeiten will, Und wenn sie nun noch immer am Beritt interessiert sind (Was ich ja hoffe :-) ), dann wäre es am besten, wenn sie mich mal anrufen. Dann komme ich mal zu ihnen, und sie sollten auch mal zu mir kommen, um zu sehen, wie ich mit den Pferden arbeite. Ein paar Stichworte...Lieber Besucher! Diese Seite wird eine never ending story, da immer wieder etwas dazukommen wird, irgendein Begriff, der vielleicht auch noch erklärt werden sollte... Selbsthaltung des Pferdes Erworbene Haltung des Pferdes Gleichgewicht Ruhe im Sturm Biegungen Geraderichten Durchlässigkeit Kleben des Pferdes Schwung Ausbrechen des Pferdes Geländereiten Zeit Versammlung Losgelassenheit Selbsthaltung des PferdesViele Reiter kennen zwar den Begriff der Selbsthaltung des Pferdes, können aber damit doch nicht so richtig was anfangen. Was ist nun diese Selbsthaltung des Pferdes? Stellen sie sich einmal eine Brücke vor. Nein, kein Viadukt, ich meine natürlich eine Hängebrücke! Und so ähnlich ist das auch mit der Selbsthaltung des Pferdes. Ich spinne jetzt nicht, es ist wirklich so! Stellen sie sich vor, die Pfeiler der Brücke wären die Füsse des Pferdes, und die Fahrbahn dazwischen der Körper. Dieser ist dann zwischen den Pfeilern aufgehängt. Es ist aber wirklich aufgehängt, und nicht durch knöcherne Verbindungen gestützt! Wie das geht? Jeder Wirbel der Wirbelsäule hat dornartige Fortsätze, an denen Bänder befestigt sind, und diese Bänder stabilisieren die Wirbelsäule in der Art, dass sie sich ohne Kraftaufwand selbst tragen kann.
Sehr wichtig dabei ist das sogenannte Längsband, das über den ganzen Rücken von Dornforsatz zu Dornforsatz zieht und im Halswirbelbereich das Nackenband bildet, das an den Halswirbeln und am Hinterkopf festgemacht ist. Zusätzlich gibt es dann noch Bänder, die die Wirbel untereinander so verbinden, dass sie sich gegenseitig stützen können, und so die Bewegung zwischen den Wirbeln einschränkt. Diese Verbindungen insgesamt ergeben dann die natürliche Selbsthaltung des Pferdes. Es braucht keine oder nur sehr wenig Energie aufwenden, um sich aufrecht zu halten. man merkt es z.B. dann, wenn das Pferd im Stehen einschläft.Es senkt dabei den Kopf, durch dieses Senken wird das Längsband gespannt, und der Rücken in der Mitte etwas gehoben. Einfach genial! So kann das Pferd seine Rückenmuskulatur zu dem einsetzen, zu dem sie eigentlich gemacht ist: zur Fortbewegung. Erworbene Haltung des PferdesWenn sie sich den Absatz über die Selbsthaltung des Pferdes angesehen haben, und ein bisschen nachdenken, werden sie sicher bald herausfinden, was nun das grösste Problem beim Reiten für das Pferd ist: Die Statik des Pferdekörpers ist so geplant, das er sich selbst (!) tragen kann. Machen wir wieder einen Sprung zu unserer Hängebrücke: Können sie sich einen Ingenieur vorstellen, der eine Hängebrücke so plant, dass die Statik genau für das Eigengewicht ausreicht? Ich glaube, der wäre sehr bald arbeitslos :-) Natürlich muss er die Statik so planen, dass auf der Hängebrücke auch Autos und Züge fahren können! Die Natur hat daran aber nicht gedacht, als sie die Statik des Pferdes geplant hat. Sie ist zwar so bemessen, dass sich ein kleiner Liebesakt auf dem Rücken der Stute ausgeht, und sie auch das Fohlen noch austragen kann, aber nicht dafür, unter dem Gewicht eines Reiters sportliche Leistungen zu erzielen! Nun könnten wir versuchen, den Baumeister des Pferdes einzuklagen, weil er die Statik schlecht bemessen hat. Aber ich glaube, da wären wir chancenlos. Aber wir können die Statik des Pferdes selbst verbessern, so dass sie dann auch das Gewicht des Reiters gut tragen kann! Dafür müssen wir aber die Haltebänder des Pferdes so verändern, dass sich der Rücken etwas weiter aufwölben kann. Nur brauchen wir dafür vor allem eines: ZEIT! Durch genau abgestimmte Gymnastik kann man auf lange Sicht diese Bänder dehnen. Eine sehr gute Gymnastik ist hier z.B. das Bergaufreiten im Gelände. Wenn sie sich einmal ein Pferd auf der Weide angesehen haben, das bergauf geht, werden sie sicher feststellen, dass das Pferd, um besser anschieben zu können, die Hinterhand etwas beugt und so den Rücken rund macht. Und genau das wollen wir ja auch erreichen. Das Pferd macht den Rücken rund und kommt dadurch mit der Hinterhand unter den Körper, es trägt sich, anstatt nur zu schieben. Um ein bisschen zu verdeutlichen, was es mit der Zeit auf sich hat: Machen sie mal einen Spagat. Sofort! Wenn sie´s nicht können, soll sie halt wer runterdrücken, mit Gewalt. Genausowenig, wie das für sie gut wäre ohne vorherige Dehnungsübungen, ist es gut, das Pferd ohne Dehnungsübungen über längere Zeiträume hinweg sofort in die Gebrauchshaltung zu bringen. Es tut dem Pferd genauso weh wie ihnen! GleichgewichtIst ja eh klar - jedes Pferd hat ein Gleichgewicht, sonst würde
es ja auf die Nase fallen :-D Stellen sie sich mal vor, sie seien das Pferd. Niemand kann ihnen erklären, warum der, der sie bis jetzt immer mit Leckerli und Ähnlichem verwöhnt hat, es sich plötzlich auf ihrem bequem macht. Na klar sind sie verunsichert! Und stellen sie sich vor, sie wollen einfach nur weg. Geradeaus, das sagt ihnen das Gefühl, geht´s am besten! Und stellen sie sich dann auch noch vor, in dem Moment, als sie anfangen zu laufen, wird ihnen der Kopf weggerissen, und sie liegen am Bauch - Das ist natürlich ein Riesenschock für sie, und genauso auch für das Pferd. Und das Pferd verbindet diesen Schock dann mit dem Moment, wo einer auf seinen Rücken klettert. Alles klar? Darum reite ich Pferde prinzipiell nicht an der Longe zu. Ich will dem Pferd, speziell in der Anfangsphase, immer die Möglichkeit geben, sein Gleichgewicht zu behalten. Und bis jetzt war es eigentlich immer so, dass das Pferd am Anfang ein paar Meter geradeaus gelaufen ist, sich dann gefunden hat, und das wars auch schon mit dem Beritt. Ohne Bocken, ohne Aufregung, ohne spektakulären Sturz. Die Zuschauer waren halt nicht begeistert, denn wer will nicht mal einen Reitlehrer im Dreck liegen sehen???
Ruhe im SturmWegen dem einen eigenen Punkt? Stellen sie sich vor, sie gehen zum Zahnarzt. Sie wissen schon, der Herr,
der immer so gemein bohrt. Und dieses Geräusch vom Bohrer noch dazu,
Ähhh! Was hat das mit dem Beritt zu tun? Ich habe schon bei einigen Pferden
zugesehen, die so ähnlich zugeritten wurden! Nicht, dass es in den
Zahnarztstuhl gepresst worden wäre, aber einer hält es links
am Zügel, einer rechts, einer hebt den Reiter in den Sattel, einer
hält die Longe, und alle sind verdammt aufgeregt! Die brauchen ja
gar nichts reden, das Pferd spürt die Aufregung trotzdem, es riecht
sie geradezu! Und es wird dementsprechend reagieren, und versuchen davonzulaufen. Sehr heikel an der Longe wegen dem Gleichgewicht! Darum der eigene Punkt nur wegen der Ruhe! Bedenken sie immer ihre Momentanverfassung, bevor sie sich über das nervöse, hektische Pferd ärgern! Vielleicht sind sie es? Und beachten sie, dass die ersten Momente des Beritts für das Pferd eine Art Prägung darstellen. Sie können hier sehr viel gewinnen, aber ebenso sehr viel verlieren! Einer allein, der das Pferd nimmt, und wirklich und nicht gespielt ruhig mit ihm in den Reitplatz, oder besser noch in die Koppel zu den Weidegenossen geht, dort gemütlich aufsteigt und es erst mal geradeaus laufen lässt, um das Gleichgewicht zu finden, ist besser, als fünf aufgeregte Helfer! Bevor sie ihr Pferd von jemanden trainieren lassen, den sie nicht kenne, sehen sie sich mal an, was derjenige mit anderen Pferden macht. Und bedenken sie: An der lockeren, und nicht der angespannten Ruhe, merken sie, ob einer sicher ist, und diese Sicherheit dem Pferd auch weitergeben kann!
BiegungenNun gut, wir haben das Pferd erfolgreich angeritten, alles lebt und ist fröhlicher Dinge. jetzt können wir uns entweder zurücklehnen und die Zeit geniessen, oder aber - wir geniessen die Zeit auf dem Pferd, während wir es weiter ausbilden. Ein Zauberwort in der Ausbildung heisst Biegung, doch was bedeutet es, welche Vorteile hat es, und auf was sollte man besonders achten? Zuerst einmal die guten Nachrichten: Jedes Pferd kennt die Biegungen aus seinen reiterlosen Jahren auf der Koppel, es ist also nicht ganz neu fürs Pferd! Die zweite gute Nachricht: Es tut dem Pferd unheimlich gut, wenn man es richtig macht! Und die schlechte? - Siehe die zweite gute Nachricht und denke nach!!! Fangen wir mal ganz von vorne an: Was wir dem Pferd bis jetzt mal beigebracht haben (Eigentlich ist das ein bisschen vermessen zu sagen, denn wir bringen dem Pferd nichts bei, was es nicht eh schon kann...), ist, dass es im Gleichgewicht geradeaus gehen kann. Das kann es doch schon, oder? Denn wenn nicht, sollten sie vielleicht noch ein bisschen Zeit verstreichen lassen, bevor sie mit wirklichen Biegungen beginnen. Gehen sie weiter gemütlich ins Gelände, und lassen sie ihr Pferd schwungvoll geradeaus gehen, lassen sie es klettern, damit es lernt, die Hinterfüsse ein bisschen mehr unter den Körper zu bekommen. Und lassen sie ihm verdammt noch mal Zeit! So, sie haben sich Zeit gelassen, und ihr Pferd geht im Gleichgewicht geradeaus? Dann nichts wie an die Arbeit! Wir beginnen nämlich jetzt, das Pferd so umzubauen, dass wir es auf lange Sicht mit guter Leistung reiten können, ohne es zu schnell zu verbrauchen! Ein hauptsächlicher Sinn der Biegung ist es, das Pferd geschmeidig zu machen, also im Sinne einer Gymnastik seine Muskeln, Bänder und Sehnen zu dehnen und ihre Durchblutung zu steigern. Das ist allerdings nur ein Grund, ein anderer ist es, dem Pferd die Geraderichtung auf gebogenen Linien beizubringen, also es auf den Biegungen weiterhin im Gleichgewicht zu behalten. Und ein dritter Grund ist, das Pferd über den Umweg der Biegungsübungen in die Durchlässigkeit zu bekommen, also das Pferd dazu zu bringen, die vorwärts treibenden Hilfen nach vorne durch zu lassen. Ich werde, und das ist nicht unbedingt laut Lehrbuch, hier die beiden Begriffe "Biegung" und "Stellung" gemeinsam behandeln, da meiner Meinung diese beiden Komponenten nahtlos ineinander übergehen (können). der Unterschied zwischen den beiden ist wie folgt: bei der Stellung wird das Pferd nur im Genick gebogen, der übrige Körper bleibt gerade. Bei der Biegung ist das Pferd im ganzen Körper gebogen, also vom Genickansatz bis zum Schweif. Wenn man sich ein gebogenes Pferd ansieht, wird man deswegen auch sehen, dass die Schweifrübe des Pferdes in die Richtung der Biegung zeigt, also ist das für einen Beobachter eine recht gute Kontrolle, ob das Pferd gebogen ist. Na, und weil das Pferd in der Biegung im ganzen Körper gebogen ist, folgert daraus ja schon, das eine richtige Biegung des Pferdes ohne vorherige Stellung etwas schwierig zu reiten ist, oder?!? Na. dann fangen wir mal an, das Pferd abzustellen (Neeein, nicht in der Garage, sondern aus dem Genick abstellen...). Zuerst müssen wir darauf achten, das wir das Pferd auf der Linie, die wir reiten auch begrenzen können. Gehen sie mit ihrem Pferd z.B. eine gerade Linie auf dem Reitplatz, nicht am Rand, wo sich das Pferd an der Begrenzung ausrichten (und gemeiner Weise sich auch daran "festkleben") kann, sondern eher in der Mitte, so dass das Pferd keinen Anhaltspunkt hat. Wenn sie diese Übung im Schritt machen, hier kann das Pferd keinen Schwung entwickeln, können sie feststellen, dass es nicht so leicht ist, das Pferd zu begrenzen. (Siehe Geraderichten). Nun wollen wir mal das Pferd nach einer Seite, sagen wir die linke, stellen. Um zu erreichen, dass sich das Pferd stellt, setzen wir uns gleichmäßig auf beide Gesäßknochen, nehmen den inneren Zügel etwas an und geben mit dem äußeren um soviel nach, wie der innere angenommen wird (stehen lassen des äußeren Zügels). Dabei ist natürlich wichtig, dass die beiden Zügel wirklich aufeinander abgestimmt werden. Als Faustregel kann man hier auch sagen, dass das äussere Ohr des Pferdes nicht tiefer liegen soll als das innere. Wenn das der Fall wäre, würde sich das Pferd nämlich im Genick verwerfen, und damit könnten wir den von den Hinterfüssen entstehenden Schwung nicht am äusseren Zügel kontrollieren, und es könnte über die Schulter gehen, also ausbrechen. Wenn wir es richtig machen, dann können wir das Pferd schnurgerade auf der Linie weiterreiten, und es abwechselnd links und rechts stellen, ohne das es die Spur verlässt... Alles klaro mit der Stellung? Na gut, dann werden wir das Pferdchen mal ein bisschen verbiegen! Und hier kommt uns jetzt die perfekt trainierte Stellung zu Gute, denn von der Stellung zur Biegung ist es nur ein kleiner Schritt für ein Pferd, aber ein grosser für den Reiter :-) Reiten sie das Pferd in einer gebogenen Linie, auf einem Zirkel zum Beispiel, stellen sie das Pferd, und dann nehmen sie noch den inneren Schenkel dazu. Wenn das Pferd die Stellung wirklich ohne Murren angenommen hat, wird es nun, ohne auszubrechen, wie selbstverständlich in eine "geradegerichtete Biegung" kommen, also seinen ganzen Körper in der gleichen Weise biegen, wie die Linie, auf der es geritten wird. Schliessen sie nun die Augen, und reiten sie das Pferd mit geschlossenen Augen weiter. Macht es "Bumm", und sie knallen mit dem Pferd gegen die Wand, dann war das Pferd auch nicht geradegerichtet gebogen und ist über die Schulter in eine Richtung weggedriftet. Das heisst dann, zurück an den Start, und die Übung noch ein bisschen feiner und mit ein bisschen mehr Gefühl wiederholen. Der innere Schenkel gibt die Biegung, der innere Zügel die Stellung, der äussere Schenkel verwahrt die Hinterhand, und der äussere Zügel die Schulter. Und das Pferd geht zwanglos wie auf Schienen auf einer immer gleichmässig gebogenen Linie. Und nicht schummeln und auf die Linie blinzeln, es soll wirklich automatisch aus der Biegung kommen! Wichtige Übungen der Stellung sind: Schulter vor, bei der der offene innere Zügel die innere Schulter des Pferdes nach hinein mitnimmt. Aus dem Schulter vor kann man die biegende Übung Schulter herein entwickeln, bei der das Pferd (Je nach Auslegung verschiedener Reitweisen) auf 3 - 4 Hufschlägen abgestellt ist, und dabei um den inneren Schenkel gebogen wird. (In der alten klassischen Reitweise wurden diese beiden Übungen übrigens als 1. und 2. Stellung beschrieben.) Ich finde diese Übungen sehr, sehr wichtig für die weitere Ausbildung des Pferdes, und sie wird leider immer mehr vernachlässigt. Doch nur in solchen Übungen kann man die Verwahrung des Pferdes und die aus der Verwahrung entwickelte Versammlung ohne Zwang trainieren! Wichtige Übungen der Biegung sind Schlangentouren, Touren wechseln, Schlangenlinien, etc. dabei muss man immer auf den Biegungswechsel aufpassen, dass das Pferd dazwischen sorgfältig geradegerichtet wird, die Zügel dementsprechend nachgegriffen werden, und die Gewichtshilfe des Reiters schlussendlich die Wendung einleiten sollte, und nicht der Zügel oder der Schenkel. Das Pferd soll ja im Gleichgewicht mit dem Schwerpunkt des Reiters gehen, und nicht dem Zügel folgen oder dem Schenkel ausweichen! Und noch etwas ist gaaanz wichtig: Gute Biegung geht nur ohne Zwang, das Pferd muss schon losgelassen sein, sonst wirds nichts!
GeraderichtenHaben sie schon mal ein junges Pferd geritten? Ja? Ein ganz ein junges
(Hat nichts mit dem Alter, sondern mit der Ausbildung zu tun)? Da werden
sie dann eine Erfahrung gemacht haben: Egal, was sie versuchen, die untenstehenden
werden denken, sie haben sich vorher Mut angetrunken, weil sie prinzipiell
in Schlangenlinien unterwegs sind. Was brauchen wir dazu? Eine gute Portion Gleichgewicht, eine Prise Schwung, und einen Esslöffel voll gerader Wege im Gelände! Zur Not, wenn man sich unsicher ist, gehts auch auf dem Reitplatz, so machen es die meisten, aber man hat halt immer wieder nach kurzen Strecken so eine blöde Kurve drin. Und meist hat man dann endlich vor der Kurve das Pferd im Gleichgewicht geradeaus, und dann muss man wieder von vorne anfangen. So, und wenn wir diese Zutaten alle beisammen haben, gehen wir mal viel
raus. Schwungvoll, viel im Trab, einiges im Schritt und sehr wenig im
Galopp, und das wenn möglich bergauf. So lange, bis wir das Pferd
am losen Zügel geradeaus gehen lassen können, ohne es dauernd
zu korrigieren. Sie werden sehen, es geht am besten im Trab, hier können
sie ja den natürlichen Schwung des Pferdes ausnützen. Im Galopp
besteht doch immer wieder die Gefahr, das zwar der Schwung durech die
Schwebephase vorhanden ist, dass der aber, gerade bei einem jungen Pferd,
auch mal zu viel werden kann. Dann fängt das edle Ross zu laufen
an und kommt auf die Vorhand. Darum bergauf galoppieren, wenn schon. Mehr ist dazu nicht zu sagen, ausser wieder das gleiche: Lassen sie sich Zeit! Und wenn das Pferd dann soweit ist, kann man versuchen, über die Biegung in eine geradegerichtete Biegung zu kommen...
DurchlässigkeitDurchlässigkeit steht in der Ausbildungsskala nach dem Gleichgewicht,
Geraderichten, Schwung,
Losgelassenheit und vor der Versammlung,
grob ausgedrückt. Was ist nun Durchlässigkeit, und warum steht
es gerade an dieser Stelle der Ausbildungsskala und nicht woanders?
Kleben des Pferdes
Ausbrechen des Pferdes
Schwung
Geländereiten
ZeitIch glaube, das ist so ein Kapitel, das man nicht oft genug ansprechen kann. Und oft auch das traurigste bei der Pferdeausbildung! Ich hatte vielleicht das Glück, dass ich immer Trainer hatte, die sehr viel Wert darauf gelegt haben. Und die mich in meinem reiterlichen Übermut auch immer wieder gebremst haben, gesagt haben: Back to the Roots! Stellen sie sich vor, sie bekommen eine neue Arbeit. Der Chef kommt,
macht sie mit den Mitarbeitern kurz bekannt, erklärt ihnen nichts,
aber verlangt von ihnen sofort tolle Leistungen. Na, soviel kann der ja
gar nicht bezahlen, oder? Und genauso geht es dem Pferd! Abgesehen davon, dass sich der Körper des Pferdes erst an die geänderten Ansprüche anpassen muss, sich die Bänder und Sehnen anders dehnen müssen, um z.B. die erworbene Haltung schmerzfrei durchführen zu können, müssen wir vor allem auch der Seele des Pferdes Zeit lassen, sich mit der ungewohnten Situation zurecht zu finden! Eine Faustregel von mir heisst, jedes Monat in den ersten Jahren der Ausbildung, die ich dem Pferd mehr Zeit lasse, sind die Jahre, die ich das Pferd länger in guter Leistung reiten kann! Ich will ein Pferd, das nicht nur den Reiter trägt, sondern auch für den Reiter denkt. Ich will im schwierigsten Gelände nicht einen Moment damit vergeuden, Angst zu haben. Ich will dann einfach die Zügel länger lassen, und dem Pferd sagen: Mach es, du kannst es! Dazu braucht das Pferd aber das Gefühl, mit jeder Aufgabe mitgewachsen
zu sein. Es braucht das Selbstvertrauen, und auch das Vertrauen zum Reiter.
Einmal das Pferd überfordern, und es bilden sich Zweifel am Reiter! Erst dann werden Übungen fortschreitend mit der Ausbildung besser,
wenn sie das Pferd als völlig normal ansieht und sie gerne macht.
Ich muss dabei gestehen, dass ich im Normalfall weder Sporen noch Gerte
verwende, ich besitze nicht mal eine Gerte... Und noch etwas: Jedes Pferd ist anders. Ein Beispiel von den Pferden,
die ich trainiere: da gab es ein gar liebliches Pferdchen, das nur einen
klitzekleinen Fehler hatte: Es war - unreitbar... (Es war mein Glück,
sonst wäre ich nie an das Pferd gekommen:-) ). Ich habe mich dann
mal einfach raufgesetzt, ohne Longe oder sonstigen Firlefanz, und habe
mir angesehen, was das Pferdchen denn so mit dem Reiter machen will. Am
dritten Tag habe ich die Stute ohne Zaumzeug geritten, ich habe ihr einfach
gesagt: Mach, was du willst, ich vertraue dir! Nach ein paar Wochen bin
ich dann mit dem Pferd in die Botanik ausgewichen, einfach nur raus, die
Natur geniessen, mal ein bisschen grasen lassen, sich die Gegend anschauen,
und so weiter. Das unreitbare Pferd ist nun mein Liebling, mein absoluter.
Aber: Ich weiss, wenn ich dieses Pferd zu schnell ausbilden würde,
würde es auch mich nicht mehr rauflassen. Auf der anderen Seite weiss
ich, wie das Pferd in ca. 5-7 Jahren gehen wird: Jeder wird mich darum
beneiden! Aber unter dieser Zeit wird nichts gehen! (Mein Glück:
Ein Besitzer mit Hirn!!!)
Die kleine "unreitbare" Bay ohne Zaumzeug
beim Ausreiten...
Zwei Pferde aus der gleichen Zucht, zwei unterschiedliche Charaktere, zwei unterschiedliche Ausbildungszeiten. Aber seien wir mal ehrlich: Wären Pferde Maschinen, würden wir wahrscheinlich nicht so viel Freude an ihnen haben. Also behandeln wir sie auch nicht wie (Sport-) Maschinen, sondern wie individuelle Lebewesen! Bedenken Sie: Das Feuer eines Diamanten bringt nur der zum Leuchten, der sich die Zeit nimmt, ihn mit den feinsten Instrumenten vorsichtig zu bearbeiten, und der dabei immer innehält um seine Arbeit zu überprüfen. Der, der es schnell machen will, erzeugt nur ein verkratztes Stück komprimierter Kohle... Und hier möchte ich dann noch einen kleinen Denkanstoss an die Pferdebesitzer richten: Ihr Auto ist nur ein Stück lebloses Blech. Doch sie werden es trotzdem von einem gelernten Mechaniker warten und reparieren lassen, auch wenn es ein bisschen mehr Geld kostet. Und ihr Pferd?
Versammlung
Losgelassenheit
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